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Manfred Genditzki
#1
Manfred Genditzki wurde wegen Mordes an der 87-jährigen Rentnerin Lieselotte K. aus Rottach-Egern in einem Indizienprozess zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt. Der Fall machte als „Badewannen-Mord“ von Rottach-Egern Schlagzeilen. 

Die Verurteilung ist rechtskräftig, jedoch wurden und werden in der Öffentlichkeit Zweifel an der Täterschaft Genditzkis geäußert.

Manfred Genditzki wurde in Mecklenburg-Vorpommern geboren, ist verheiratet und Vater zweier Kinder. Er war Hausmeister in der Wohnanlage, in der Frau K. wohnte, und erledigte für sie Dinge des täglichen Lebens wie Einkaufen, Zubereitung von Mahlzeiten und Wäschewaschen. Nachdem Genditzki sie am 28. Oktober 2008 von einem Klinikaufenthalt nach Hause gefahren hatte, verabschiedete er sich nach eigenen Angaben dort gegen 15:00 Uhr von ihr, weil er seine kranke Mutter besuchen wollte. Zuvor rief er den Pflegedienst an, um die Rückkehr von Frau K. aus dem Krankenhaus zu melden. Wie jeden Tag suchte um 18:30 Uhr eine Pflegekraft die Wohnung von Lieselotte K. auf und fand diese voll bekleidet tot in der Badewanne.  Bei der Obduktion der Leiche wurden Hämatome am Hinterkopf mit Einblutungen unter unverletzter Kopfhaut erkannt, was nicht ungewöhnlich ist, da die Verstorbene gerinnungshemmende Medikamente nahm. Als Todesursache wurde Ertrinken nach einem unglücklichen Sturz in die Badewanne angenommen. Die Leiche wurde am Folgetag eingeäschert.

Die Staatsanwaltschaft nahm aufgrund des Ergebnisses der Obduktion Ermittlungen auf und nahm an, Genditzki habe die alte Dame getötet, um zu vertuschen, dass er während ihres Klinikaufenthaltes in ihrer Wohnung Geld unterschlagen habe. Als Anhaltspunkt diente, dass Genditzki an dem Tag, als K. ins Krankenhaus kam, einem Bekannten 8000 Euro zurückgezahlt hatte. Im Februar 2009 wurde Genditzki in Untersuchungshaft genommen. Die Anklageschrift ging davon aus, dass Frau K. am 28. Oktober 2008 die Unterschlagung festgestellt und Genditzki deswegen beschuldigt habe. Im Verlauf der Hauptverhandlung stellte sich jedoch heraus, dass aus dem Vermögen der K. kein Geld fehlte; das Geld für die Rückzahlung stammte aus nachvollziehbaren, völlig legalen Quellen. Das Landgericht München II gründete den Schuldvorwurf deshalb darauf, der Angeklagte habe keine Unterschlagung begangen, sondern es habe einen Streit gegeben, in dessen Verlauf er die Frau geschlagen habe. Die Tötung sei erfolgt, um die vorausgegangene Körperverletzung zu verdecken. Das Gericht verurteilte Genditzki am 12. Mai 2010 wegen Mordes zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe.  

Der Bundesgerichtshof hob das Urteil mit Beschluss vom 12. Januar 2011 auf und verwies die Sache wegen eines Verfahrensfehlers an eine andere Kammer des Landgerichts zurück. Der Austausch der Bezugstat bei Verdeckungsmord sei eine Veränderung des rechtlichen Gesichtspunktes, auf die das Gericht gemäß § 265 StPO in der Hauptverhandlung hätte hinweisen müssen. Die neue Hauptverhandlung endete am 17. Januar 2012 abermals mit einer Verurteilung zu lebenslanger Freiheitsstrafe wegen Mordes. Die Kammer sah es als erwiesen an, dass Genditzki und Lieselotte K. in einen Streit geraten seien, bei dem Genditzki der Frau entweder einen Schlag auf den Kopf versetzt oder sie so gestoßen habe, dass sie gegen einen harten Gegenstand gefallen sei und sich die zwei Blutergüsse am Kopf zugezogen habe. In Panik und mit dem Gedanken „Ich hole Hilfe“ habe Genditzki zweimal kurz hintereinander die Nummer des Hausarztes gewählt, aber sofort wieder aufgelegt. Aus Furcht, angezeigt zu werden, habe er Wasser in die Badewanne laufen lassen und Lieselotte K. ertränkt, indem er sie mehrere Minuten unter Wasser gedrückt habe. 

Die Revision hiergegen wurde als unbegründet verworfen, da die Nachprüfung des Urteils keinen Rechtsfehler zum Nachteil des Angeklagten ergeben habe (§ 349 Abs. 2 StPO).

Für Prozessbeobachter und Medienvertreter blieben Zweifel an der Schuld des Verurteilten. Beobachter der Hauptverhandlung hatten fest mit einem Freispruch gerechnet.  Die Verteidigung ging davon aus, dass der Tod der alten Dame ein Haushaltsunfall war. K. habe nach der Rückkehr aus dem Krankenhaus verschmutzte Wäsche in der Badewanne einweichen wollen. Sie habe dabei einen Schwächeanfall erlitten und sei in die Wanne gestürzt. Ein psychologisches Gutachten weist Genditzki als friedfertig aus. Den Anruf beim Hausarzt erklärte Genditzki damit, er habe mitteilen wollen, dass K. aus der Klinik entlassen und wieder zu Hause sei. Er habe aufgelegt, als nur der Anrufbeantworter der Praxis in der Leitung war. 

Genditzkis Strafverteidigerin bereitet seit 2015 einen Antrag auf Wiederaufnahme des Verfahrens vor. Das Verfahren wurde in mehreren Medien als Justizirrtum dargestellt.

http://www.vox.de/cms/die-grosse-samstag...22835.html
https://m.youtube.com/watch?v=AAW3RRVhB6Y
http://www.ardmediathek.de/tv/DokThema/D...d=40871800
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